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IMPRESSIONEN

 

 

Leben auf einer

mittelalterlichen Burg

 

 

 

 

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„Burg Liebenfels, erbaut von Hermann I. von Liebenfels, der 1254 erstmals urkundlich erwähnt wird“, so beginnt die Geschichte eines Schlosses, das wir heute besuchen wollen. Was kann sich hinter einer so alten und langen Geschichte verbergen? Wie mag ein mittelalterliches Herrschaftsgebäude heutzutage aussehen? Am westlichen Schweizer Ufer des Untersees, oberhalb des kleinen Ortes Mammern, erstreckt sich die mittelalterliche Residenz.

 

 

 

 

Eine schmale und kurvige Straße führt uns den Berg hinauf, bis an die Pforten der Liegenschaft. Wir klingeln und werden von der Besitzerin Dr. Christiane Schnaufer-Ebert an der Sprechanlage begrüßt und durch das sich automatisch öffnende Tor in den Innenhof gebeten. Vorbei an den alten Stallungen und den exklusiven Sportwagen, heißen uns zwei Möpse in einem winzigen Verschlag willkommen.

 

 

 

 

 

Da hat es die Mischlingshündin Coco (benannt nach Coco Chanel) schon komfortabler, sie darf im ganzen Schloss herumlaufen und selbst auf den teuren Sitzmöbeln hemmungslos herumtollen, soll sie doch etwas reinlicher als ihre Artgenossen sein. Vielleicht liegt ihr Vorzug aber auch daran, dass sie ein Chi-Pu-Yo ist, eine angeblich neue und extravagante Hunderasse, die aus der Kreuzung von Chihuahua, Pudel und Yorkshire Terrier entstanden ist.

 

 

 

 

Die Schlossherrin bittet uns hinein, in die restaurierten Gemäuer, deren Jahre alter Geruch noch allgegenwärtig ist. 1992 erwarb sie mit ihrem erst kürzlich tödlich verunglückten Ehemann Dr. Klaus W. Ebert Schloss Liebenfels, nachdem es über vierzig Jahre lang leergestanden hatte. Gemeinsam mit der Denkmalpflege bauten sie das Herrschaftsgebäude um und restaurierten es, so gut sie konnten. Dabei bemühten sie sich, der Schlossburg ihren ursprünglichen Charakter zurückzugeben. Kerker, Falltüren, Foltereinrichtungen und Kriegsgeräte an Wänden und Zimmerecken und kleine Totenköpfe auf den Fenstersimsen zeugen noch von der dunklen Vergangenheit, die das Schloss in seiner langen Geschichte durchlebt hat. So findet sich etwa an der Wand des unteren Schlossganges die berühmte Schweizer Kriegswaffe, die „Hellebarden“, die ihren Einsatz bei den Schweizer Kriegern, den „Reisläufern“, fand. Mit dieser gefürchteten Waffe in der Hand triumphierten die Söldner im Schwabenkrieg 1499.

 

Des Weiteren befand sich im Innern des Bergfrieds, der bereits Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden sein dürfte, einst das berüchtigte Angstloch mit trichterförmig verengtem Verließ. Im 13. und 14. Jahrhundert diente die Anlage als Sitz der Herren von Liebenfels, den Konstanzer Ministerialen. Die Ritter von Liebenfels waren bis in fern gelegene Ortschaften bekannt und gefürchtet. Sie standen unter dem Schutz und der Schirmherrschaft des mächtigsten Reichsfürsten der Gegend, dem Bischof von Konstanz. Im Schlossturm sollen die Ritter über lange Jahre hinweg eine Jungfrau gefangen gehalten und vergewaltigt haben, um nur eine ihrer Grausamkeiten zu nennen. Die Residenz hatte eine außerordentlich gute Lage im Herzogtum Schwaben (911-1268). Die Ritter kontrollierten und schützten einen der Handelswege zwischen Italien und dem Norden des damaligen Deutschen Reiches und beteiligten sich an Plünderungen und Eroberungen. So bemächtigen sie sich etwa 1291 der habsburgischen Stadt Buchhorn (dem heutigen Friedrichshafen) zusammen mit Bischof Rudolf II. Den Rittern gehören umfangreiche Besitzungen, u.a. Patronatsrecht und Kirchenvogtei des Klosters Grünenberg in Weiler/Hegau, der Zehnte in Niederneunforn und Würenlingen, Weingärten zu Klingenau und Reichenau; für ihre treuen Dienste verlieh ihnen der Bischof Haus- und Hofstätte in Konstanz. Von 1395 bis 1574 war Schloss Liebenfels Sitz der Lanz von Liebenfels. 1654 erwarb das Zisterzienserkloster St. Urban im Kanton Luzern das Schloss. Nach der Säkularisation 1848 kaufte Adolf Ludwig Follen, der ein Förderer Gottfried Kellers war, die Liegenschaft. 1858 erwarb sie dann Kaspar Bebie. Das Burgschloss Liebenfels diente vor allem im 19. Jahrhundert als Treffpunkt von Dichtern, wie etwa Johann Caspar Lavater (1741-1801), Caspar David Friedrich (1774-1840), August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), Gottfried Keller (1819-1890) und Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898). Der Literatenkreis traf sich gerne an dem etwas oberhalb des Schlosses gelegenen „Steinernen Tisch“ und genoss von dort aus die herrliche Aussicht über den See. Seit dieser Zeit blieb das Schloss in Privatbesitz, nach 1948, nach dem Tod von Frieda Bebie, blieb Liebenfels jedoch über vier Jahrzehnte ein unbewohntes Dornröschenschloss.

 

 

Diese Zeit gehört nun der Vergangenheit an, denn heute wird das Schloss als internationale Begegnungsstätte für verschiedenartige Vorträge, Kunstausstellungen,
Lesungen und Seminare genutzt. Es finden auch Hochzeits- und Geburtstagsfeiern auf der Schlossburg statt. Der große Rittersaal bietet bis zu 40 Gästen Platz und die zur Liegenschaft gehörige ehemalige Zehntelscheune, die Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde, dient heute als Schlossremise. Sie kann bis zu 300 Gäste beherbergen. Das Schloss selbst verfügt heute über 41 Räume, die sich auf 1264 Quadratmetern Wohnfläche erstrecken. Um sich auf dem riesigen Areal zu treffen, hilft nur eine genaue zeitliche Verabredung oder ein Telefonat, um einen Treffpunkt zu vereinbaren. Es gibt drei Turmzimmer, einen kleinen und einen großen Rittersaal, eine frühmittelalterliche Schlosskapelle, in der gelegentlich ökumenische Gottesdienste abgehalten werden, ein Palais, eine geräumige Schlossküche, eine große Bibliothek, ein Schwimmbad und in den unteren kühlen und kargen Gewölben findet man eine spartanische Sauna. Des Weiteren dehnt sich unter dem Burghügel ein einmaliges, rund 28 Meter tiefes und geheimnisvolles Gewölbesystem aus.


Es macht Liebenfels zu einer einzigartigen Burg in der gesamten Schweiz. Der Hauptgrund dafür ist, dass die unterirdische Anlage mit 28 Metern tiefer ist als der oberirdische Turm der Burg mit 26 Metern. Die Gewölbe wurden im Laufe der langen Geschichte Liebenfels überwiegend als Gefängnis genutzt. An einer Gewölbewand zeugen die Abbildungen dreier mannshoher Gestalten, genannt die „schwarzen Männer“, von der Angst und Not der Gefangenen. Doch auch die Vorzüge des Gewölbesystems als Weinund Vorratslager wurden schon früh erkannt, sowie sein Nutzen als Versteck. Nach einer Legende soll es einst einen Fluchtgang vom Gewölbekeller bis zum Bodensee gegeben haben und ein riesiger Goldschatz soll hier vergraben worden sein, der zum großen Bedauern der Schlossbesitzer jedoch noch nicht zum Vorschein gekommen ist. Dafür kann Dr. Schnaufer-Ebert die Weinkellerei-Tradition ihrer Familie weiterpflegen, die Weinkellereien in Althengstett bei Calw besitzt, sowie zahlreiche Weingüter am Kaiserstuhl, im Allgäu, in Frankreich und Italien. Im Gewölbekeller von Schloss Liebenfels lagert heute unter anderem die selbst hergestellte Sektmarke „Liebenfels“.

 

Frau Dr. Schnaufer-Ebert und Karl-Heinz Nusser, die gemeinsam auf dem Schloss wohnen, genießen besonders das landschaftliche Umfeld der Burg, die ausgedehnten Wiesen und Wälder. Sogar eine schlosseigene Quelle befindet sich auf den 24 Hektar privaten Ländereien. Die einmalige Lage des Tales bietet bedrohten Vogelarten wie Pirolen, Schneeeulen, Wiedehopfen, aber auch Flusskrebsen und sogar Skorpionen eine Heimat. Im Dämmerlicht der Abendstunden kreisen Fledermäuse um die Turmspitze des Schlosses. Da ein frühmittelalterliches Juwel wie Liebenfels, mit einem Wert von über 16 Millionen Schweizer Franken, monatlich 16.000 Schweizer Franken Unterhaltungskosten aufwirft, wird das Schloss für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Eine ganze Reihe ist bereits geplant, die auch Prominente in das Schloss führen werden. So hat sich Michail Gorbatschow, der des öfteren die Schweiz besucht, angekündigt, und die Sängerin Tina Turner wird auf Schloss Liebenfels eine diskrete Geburtstagsfeier in altem Freundeskreis feiern.

 

 

Letzte Aktualisierung Saturday, 4. June 2011

 

 

 

Text: Muriel Schindler
Fotos: Beate Nash